Die Zeitschrift

Die "Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste" erschien von 1765 bis 1805 als Fortsetzung der "Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste". Die "Bibliothek" war 1756 von Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn mit Unterstützung Lessings gegründet worden und in 12 Bänden im Dykschen Verlag in Leipzig erschienen, seit 1759 hatte Christian Felix Weiße, Kreissteuereinnehmer und Schriftsteller in Leipzig und mit Lessing gut bekannt, auf Drängen Nicolais stillschweigend die Redaktion übernommen, und ab 1765 führte er die Zeitschrift mit geändertem Titel als offizieller Herausgeber weiter. Anfang der achtziger Jahre ging die Leitung an den Verleger Johann Gottfried Dyk über. Die "Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste" erschien in 72 Bänden und war eine der bedeutendsten deutschsprachigen Zeitschriften der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es war ihr Ziel, einen großen Kreis kunstinteressierter Laien im Sinne der Aufklärung und einer europäischen "république des lettres" über die aktuellen Entwicklungen in Kunst, Literatur, Ästhetik und Philosophie in ganz Europa zu unterrichten. Dabei konnten die Herausgeber und Beiträger der Zeitschrift die internationalen Beziehungen nutzen, die die Buchhändler, Großkaufleute, Diplomaten und Gelehrten Leipzigs unterhielten. Die "Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste" ist zudem eng mit den Leipziger Diplomaten und Wirtschaftstheoretikern verbunden, die seit 1762 die sächsische Staatsreform, das "Retablissement", initiierten, und sie unterstützte mit ihren Veröffentlichungen, mit den Berichten über die Ausstellungen der neugegründeten Kunstakademien in Dresden und Leipzig und den Beiträgen über die Angebote des internationalen Kupferstichmarktes, die Kultur- und Kunstpolitik der Reformer. Die in der "Neuen Bibliothek" veröffentlichten Kataloge der Ausstellungen in Dresden, Leipzig, London und Paris sind oft der einzige Anhaltspunkt für die Datierung von Kunstwerken.

Ende der achtziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts lässt die Zeitschrift den Verlust des Aufklärungsoptimismus und das Schwinden des Europabewusstseins erkennen, und nach dem Rückzug Weißes aus der Redaktion geriet sie in den politischen und kunsttheoretischen Auseinandersetzungen der neunziger Jahre in die Isolation und vor allem in den "Xenienkrieg" mit Goethe und Schiller, was zur Aburteilung der gesamten Zeitschrift durch die Literaturwissenschaft als "platt" und "nicht mehr lesenswert" geführt hat. Erst die Wiederentdeckung der Werke Christian Garves, Johann Karl Wezels, Johann Jacob Engels, Johann Christoph Adelungs, Ernst Platners, Christian Ludwig von Hagedorns und anderer Beiträger der "Neuen Bibliothek" weckte das Interesse auch an der Zeitschrift. Erste Ergebnisse der Arbeit mit den Quellen wurden im Jahr 2000 auf einer Tagung am Forschungszentrum Europäische Aufklärung Potsdam und am 16. Dezember 2004, dem 200. Todestag Christian Felix Weißes, auf einer von der Universität Leipzig ausgerichteten Konferenz vorgestellt. Der Tagungsband der Potsdamer Konferenz, "Sächsische Aufklärung. Herausgegeben von Anneliese Klingenberg, Katharina Middell, Matthias Middell und Ludwig Stockinger", erschien 2000 im Universitätsverlag Leipzig, die Publikation der Leipziger Vorträge 2006 unter dem Titel "Christian Felix Weiße und die Leipziger Aufklärung", herausgegeben von Katrin Löffler und Ludwig Stockinger, im Georg Olms Verlag Hildesheim - Zürich - New York.